Ein Leben im Gespräch mit sich selbst
Für Sokrates bedeutet Prüfung nicht, jede Entscheidung endlos zu bezweifeln. Gemeint ist vielmehr die Bereitschaft, die eigenen Gründe sichtbar zu machen: Warum glaube ich, was ich glaube? Wonach richte ich mein Handeln aus? Und ist das, was ich für gut halte, auch wirklich gut?
Diese Haltung steht im Zentrum seiner Verteidigung. Sokrates behauptet nicht, besonders weise zu sein. Seine Weisheit besteht gerade darin, die eigenen Grenzen zu erkennen. Im Gespräch mit anderen versucht er, Widersprüche aufzudecken und gemeinsam genauer zu sehen.
Warum sagt Sokrates das vor Gericht?
Das Urteil der Athener steht kurz bevor. Sokrates könnte um Gnade bitten oder seine Tätigkeit aufgeben. Stattdessen erklärt er, dass ein Leben ohne Untersuchung für ihn nicht lebenswert wäre. Die philosophische Prüfung ist für ihn keine Nebentätigkeit, sondern eine Form der Verantwortung gegenüber sich selbst und der Stadt.
Die Aussage fällt, nachdem Sokrates den Tod nicht als das größte Übel bezeichnet hat. Schlimmer wäre es, gegen die eigene Einsicht zu handeln und ein Leben ohne Wahrheitssuche zu führen.