Eine ungewohnte Verteidigung
Sokrates steht vor Gericht. Seine Ankläger behaupten, er verderbe die Jugend, glaube nicht an die Götter der Stadt und führe neue göttliche Wesen ein. Doch die Rede, die nun folgt, ist keine Bitte um Gnade.
Er spricht nicht, um die Richter zu schmeicheln. Er spricht, wie er immer gesprochen hat: fragend, prüfend und mit einer eigentümlichen Gelassenheit. Seine Verteidigung beginnt mit einem Hinweis auf die Macht der Sprache:
„Athener, wie meine Ankläger auf euch gewirkt haben, weiß ich nicht; ich selbst jedenfalls hätte bei ihrer Rede beinahe vergessen, wer ich bin.“
17aDamit setzt Sokrates einen ersten Kontrapunkt. Nicht die kunstvolle Rede soll entscheiden, sondern die Wahrheit. Er kündigt an, in seiner gewohnten Weise zu sprechen — mit denselben Worten, die er auch auf dem Marktplatz verwenden würde.
Was verändert sich, wenn jemand nicht überzeugen, sondern nur wahrhaftig sprechen will?
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