Platon · Frühe Dialoge

Apologie
des Sokrates

Eine Verteidigungsrede über das gute Leben, die Grenzen des Wissens und den Mut, der eigenen Überzeugung treu zu bleiben.

ca. 35 Min. Lesezeit·Deutsch·Platon, um 399 v. Chr.
01 · Die Anklage

Eine ungewohnte Verteidigung

Sokrates steht vor Gericht. Seine Ankläger behaupten, er verderbe die Jugend, glaube nicht an die Götter der Stadt und führe neue göttliche Wesen ein. Doch die Rede, die nun folgt, ist keine Bitte um Gnade.

Er spricht nicht, um die Richter zu schmeicheln. Er spricht, wie er immer gesprochen hat: fragend, prüfend und mit einer eigentümlichen Gelassenheit. Seine Verteidigung beginnt mit einem Hinweis auf die Macht der Sprache:

„Athener, wie meine Ankläger auf euch gewirkt haben, weiß ich nicht; ich selbst jedenfalls hätte bei ihrer Rede beinahe vergessen, wer ich bin.“

17a

Damit setzt Sokrates einen ersten Kontrapunkt. Nicht die kunstvolle Rede soll entscheiden, sondern die Wahrheit. Er kündigt an, in seiner gewohnten Weise zu sprechen — mit denselben Worten, die er auch auf dem Marktplatz verwenden würde.

Denkanstoß

Was verändert sich, wenn jemand nicht überzeugen, sondern nur wahrhaftig sprechen will?

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