Eine Demokratie unter Spannung
Als Sokrates im Jahr 399 v. Chr. vor die Richter tritt, liegt ein Jahrzehnt politischer Gewalt hinter Athen. Die Stadt hat den Peloponnesischen Krieg verloren, eine kurze Oligarchie überstanden und ihre Demokratie wiederhergestellt.
Die Erinnerung an diese Umbrüche ist noch frisch. Viele Athener fragen sich, wem sie vertrauen können und welche Erziehung junge Bürger brauchen. In dieser Atmosphäre wird der Prozess gegen einen einzelnen Mann zu einer Auseinandersetzung über die Ordnung der ganzen Stadt.
Warum Sokrates auffiel
Sokrates schrieb keine philosophischen Werke und gründete keine Schule im späteren Sinn. Er sprach auf den Plätzen, in Werkstätten und bei Gastmählern mit Menschen, die sich für klug hielten. Seine Methode war einfach und verstörend: Er stellte Fragen, bis eine scheinbare Gewissheit Risse bekam.
„Ich weiß, dass ich nicht weiß.“
vgl. 21dFür seine Bewunderer war diese Haltung ein Weg zur Selbsterkenntnis. Für seine Gegner konnte sie wie Spott wirken. Besonders problematisch wurde, dass junge Athener ihm folgten und die Autorität angesehener Männer ebenfalls prüften.
Vom politischen Umbruch zum Prozess
Der Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta endet mit der Niederlage Athens.
Die Dreißig Tyrannen übernehmen die Macht. Eine demokratische Gegenbewegung setzt sich durch.
Meletos, Anytos und Lykon klagen Sokrates wegen Gottlosigkeit und der Verderbung der Jugend an.
Beobachte beim Weiterlesen, wann Sokrates über sich selbst spricht — und wann seine Rede plötzlich zu einer Prüfung Athens wird.
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