Ein Abschied ohne Furcht
Das Urteil ist gesprochen: Sokrates muss sterben. Doch seine letzten Worte sind keine Klage. Er wendet sich an die Männer, die ihn verurteilt haben, und an die Freunde, die bei ihm bleiben.
Vielleicht, sagt er, ist der Tod gar kein Übel. Er könnte einem traumlosen Schlaf gleichen — einer einzigen, ununterbrochenen Nacht. Oder er ist eine Reise an einen anderen Ort, wo man die großen Toten befragen kann. In beiden Fällen gibt es keinen Grund, sich vor ihm zu fürchten.
„Nun aber ist es Zeit, dass wir gehen: ich, um zu sterben, ihr, um zu leben. Wer von uns dem Besseren entgegengeht, ist allen verborgen — außer dem Gott.“
42aMit diesem Satz endet die Apologie. Sokrates lässt die Frage offen, was nach dem Tod kommt. Sicher ist für ihn nur, dass ein Leben, das sich selbst prüft, nicht durch ein Urteil entwertet werden kann.
Ist Mut die Abwesenheit von Angst — oder die Entscheidung, sich von ihr nicht bestimmen zu lassen?
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