Platon · Frühe Dialoge

Apologie
des Sokrates

Eine Verteidigungsrede über das gute Leben, die Grenzen des Wissens und den Mut, der eigenen Überzeugung treu zu bleiben.

ca. 35 Min. Lesezeit·Deutsch·Platon, um 399 v. Chr.
03 · Das Urteil

Eine Niederlage, die keine ist

Die Richter haben gesprochen: Sokrates wird schuldig befunden. Doch selbst jetzt verändert sich sein Ton nicht. Er bittet nicht um Mitleid und widerruft nichts. Stattdessen fragt er, was ein gerechtes Urteil eigentlich bedeuten kann.

Mit knapper Mehrheit ist die Anklage angenommen. Sokrates nimmt das Ergebnis zur Kenntnis, als wäre es die Antwort auf eine Frage, die er lange geprüft hat. Nicht die Meinung der Menge entscheidet darüber, ob ein Mensch recht handelt, sondern die Einsicht in das Gute.

„Nicht aus Furcht vor dem Tode darf man handeln, sondern man muss nur darauf sehen, ob man gerecht oder ungerecht handelt.“

28b

Als Strafe schlägt er zunächst vor, im Prytaneion auf Staatskosten verköstigt zu werden — eine Auszeichnung, die sonst verdienten Bürgern zuteilwird. Die Ironie verschärft den Konflikt, doch sie ist mehr als Spott: Sokrates hält sein Leben im Dienst der Stadt für einen Gewinn, nicht für ein Vergehen.

Schließlich wird das Todesurteil ausgesprochen. Für Sokrates ist der Tod dennoch kein Grund zur Angst. Niemand weiß, ob er das größte Übel oder vielleicht sogar eine Befreiung ist. Sicher weiß er nur, dass Unrecht zu tun schlimmer wäre als zu sterben.

Denkanstoß

Welche Entscheidung würdest du treffen, wenn du zwischen Sicherheit und der eigenen Überzeugung wählen müsstest?

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